
Die
Spielschulkinder hatten Lieder und Tänze eingeübt
Zahlreiche Gäste
hatten sich zur Feier eingefunden
(Photos: Josette Rinnen-Koch)
Am vergangenen
Samstag
Neuer Spielschulkomplex in Ulflingen eingeweiht
Quelle: Luxemburger Wort Montag 26. April 1999
Sehr zahlreich hatten sich die Gäste am vergangenen Samstag
in Ulflingen eingefunden, um zusammen mit Innenminister Michel
Wolter, Unterrichtsministerin Erna Hennicot-Schoepges, Distriktskommissar
Jean Jung, der Schulinspektorin Nicole Gudenbourg-Wagner, den
Abgeordneten Nico Loes. Marco Schank und Claude Halsdorf, dem
Bürgermeister der Gemeinde Ulflingen Lucien Majerus mit seinem
Gemeinderat, den Bürgermeistern und Vertretern der Nachbargemeinden,
den Vertretern der Vereine, den Eltern sowie den Butzen"
mit ihrem Lehrpersonal die neuen Räume des Spielschulkomplexes
einzuweihen.
Nötig wurde dieser Ausbau, so Bürgermeister Lucien Majerus
in seiner Begrüßungsansprache, da die Zahl der Spielschulkinder
von 41 im Jahre 1989 auf 94 im laufenden Jahr gestiegen sei. In
den vergangenen Jahren wurden die Kinder in zwei Klassen unterrichtet,
die in Ulflingen und in der alten Schule in Wilwerdingen untergebracht
waren.
Mit der Schulreform im Komplementarunterricht, wo die Schulklassen
von Ulflingen nach Wiltz verlegt und somit diese Räume frei
wurden, beschloß der Gemeinderat, dieses Gebäude kleinkindgerecht
zu renovieren und die fünf Spielschulklassen hier unterzubringen.
In den freigewordenen Räumen in Wilwerdingen wird nunmehr
von der Musikschule aus dem Kanton Clerf Musik unterrichtet.
Zusätzlich benötigter Schulraum für die Erstklässler
wurde geschaffen durch den Umbau des Unterrichtsraumes der Protection
Civile". Nach dem fertigen Ausbau der Zentralprimärschule
werden diese Klassenzimmer wieder frei und stehen so der Education
précoce" zur Verfügung.
Mit der Gesamtsumme von 57 530 116 F an Umbaukosten ist diese
Renovierung gelungen, wie Schulinspektorin Nicole Gudenbourg-Wagner
feststellte. Mit dem Zitat eines Spruches aus dem Berliner Rathaus,
in dem es hieß, daß jeder Groschen, der in die schulische
Ausbildung eingebracht wird, als Taler wieder heimgebracht wird,
unterstrich sie die Wichtigkeit einer passenden Unterbringung
der Kinder, insbesondere der Vorschulklassen, wo die Kinder neben
dem Lernen auch ihren natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang
ausleben sollten.
Neben der Inneneinrichtung, die optimal den Bedürfnissen
der Butzen" angepaßt ist, sei auch dem Spielen
an der frischen Luft Rechnung getragen worden.
Eine Küche, in der das Lehrpersonal für ihre Schützlinge
kleine Mahlzeiten zubereiten könne, ergänzt die Räumlichkeiten.
Eine weitere Besonderheit dürfte das Integrieren der Kinder
aus verschiedenen Sprachregionen und Kulturen sein, ebenso die
besondere Aufmerksamkeit, die den Kindern mit spezifischen Problemen
entgegengebracht werde. Eine Aufgabe, die mit besonderem Fleiß
vom Lehrpersonal bewältigt werde.
Mit ihren Gesängen und ihren Tänzen lockerte die Schar
der Spielschulkinder die Feierlichkeiten auf. Zuerst wurde eng
Spillschull" gebaut, dann erklärten sie, daß sie
gären an d'Schoul gin", besonders in die neue
Spielschule.
Mit diesem Gebäude sei der Grundstein für die Bildung
der Kinder und somit ihrer Zukunft gelegt, so Pfarrer Jos Mathgen,
der den Segen auf alle herabrief, die tagein tagaus in diesem
Gebäude arbeiten und lernen werden.
Innenminister Michel Wolter gratulierte der Gemeindeverwaltung
zu diesem Schritt. Belaste diese Investition auch den Haushalt,
so sei es doch eine Investition in die Zukunft der Kinder und
somit auch in die Zukunft der ganzen Gemeinde. Der Grundstein
jedes späteren Berufes sei eine solide Ausbildung in der
Kinderzeit.
Angesichts der Bilder trauriger und vom Krieg erschütterter
Kindergesichter, die uns tagtäglich durch die Medien gezeigt
werden, sei ein Kinderlachen das schönste Geschenk, das zu
erhalten eine der vorrangigsten Aufgaben sei. Diese Schule werde
ihren Teil dazu beitragen.
Erfreut zeigte sich Unterrichtsministerin Erna Hennicot-Schoepges
über die großen Anstrengungen, welche die Gemeinden
im Norden des Landes in der Schulausbildung tätigten. Sie
zeigten keine Scheu vor neuen Formen der Ausbildung, ergriffen
die Initiative für neue Projekte und schafften nach ihren
Möglichkeiten Raum für die Integration von Flüchtlingskindern.
Die Ausbildung der Kinder könne nicht früh genug beginnen,
habe doch eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergeben,
daß bereits im dritten Schuljahr viele Kinder älter
als normal seien, was bedeute, daß diese Kinder die eine
oder andere Klasse zweimal besuchten.
Ihr Appell an die pensionierten Lehrpersonen, Sonderschulen für
Flüchtlingskinder zu übernehmen, sei auf großes
Echo gestoßen. Dies zeige, daß zum Lehrerberuf auch
Idealismus gehöre.
Mit einem freien Schultag anläßlich der Einweihung
ihrer Schule erfreute sie abschließend die Kinder.
Nach einem Rundgang durch die neuen Räumlichkeiten bot die
Gemeindeverwaltung ihren Gästen den Ehrenwein an.
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